Lächerlich, unglaubwürdig oder nur naiv?

Diese Frage habe ich mir heute morgen gestellt, als ich im Main-Echo den Bericht über die Stadtratssitzung in Klingenberg gelesen habe. Der Klingenberger Bürgermeister Reinhard Simon begründete seinen klaren Verstoß gegen die Gemeindeordnung (Simon hatte die Beratung und Beschlussfassung über die Erhöhung des Kassenkredits des Weinguts von der öffentlichen in die nicht öffentliche Sitzung verlagert) damit, dass er “Schaden von der Stadt abwenden” wollte, da negative Schlagzeilen über das Weingut potentielle Käufer hätten abschrecken können.

Welcher Interessent ist denn bitteschön so dämlich, dass er etwas kauft, ohne sich umfassend zu informieren? Jeder, der nur etwas bei Verstand ist und am Weingut interessiert, hätte sich doch zumindest die Bilanzen und Bücher des städtischen Eigenbetriebs angeschaut. Und jeder, der nur über ein bisschen wirtschaftlichen Sachverstand  verfügt, hätte auf einen Blick gesehen, wie es um das Weingut der Stadt bestellt ist.

Also, warum diese Aussage des Bürgermeisters? Was steckt denn tatsächlich dahinter?  Es ist immer die selbe Frage, wenn es um Interessen geht: Cui bono? Wem nützt es?

Und mit Blick auf andere offene Baustellen sei nur mal nebenbei gefragt: Wie weit sind denn die zahlreichen Verhandlungen fortgeschritten, die der Bürgermeister angeblich mit Investoren führt? Als ich noch Stadtrat war, wurden Fragen der Stadtentwicklung (z.B. das Bahngelände betreffend) aus dem Gremium immer wieder damit abgewiegelt, dass man in Verhandlungen stehe, aber noch nichts sagen dürfe, um die Verhandlungen nicht zu gefährden. Gehört hat man danach nie wieder etwas, geschweige denn, dass etwas passiert ist.

Ich kann nur hoffen, dass die Klingenberger Bürgerinnen und Bürger endlich langsam erkennen, wer da an der Spitze der Stadt steht. Als einige Stadträte, Stadtratskandidaten und Parteien im Bürgermeisterwahlkampf auf Versäumnisse des Bürgermeisters aufmerksam machen wollten, hat man ihnen – gelinde gesagt – fragwürdige Methoden und eine Schmutzkampagne vorgeworfen, mit Erfolg. Der Bürgermeister wurde im 2. Wahlgang wiedergewählt.  Aber zu welchem Preis für die Entwicklung der Stadt?

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