Jeder kennt sie: Die Witze über die ach so faulen Beamten. Doch heute musste ich auch noch in einem Leserbrief lesen, dass Handwerker, Unternehmer und Bauern bessere Kommunalpolitiker seien als Beamte. Da frage ich mich schon, warum das so ist? Vertreten jene die Interessen der Wählerinnen und Wähler besser und unabhängiger? Oder doch nur ihre Partikularinteressen als Unternehmer? Lobbyisten und Entscheidungsträger in einer Person?
Die Vertreter der so genannten Neuen Mitte, zu denen der heutige Leserbriefschreiber zweifellos gehört (Herr Stapp ist Kandidat der Neuen Mitte und im CSU-Ortsverband Pressewart!!!), wollen oder können offensichtlich nicht verstehen, worum es der SPD bei dem Antrag, diese ach so unabhängige Gruppierung nicht zur Wahl am 2. März zuzulassen, geht.
Fakt ist: Die so genannte Neue Mitte besteht überwiegend aus CSU-Mitgliedern bzw. CSU-Kandidaten für Kommunalparlamente. Diese verstecken sich jedoch unter dem Mäntelchen angeblicher Unparteilichkeit (Politik ohne Parteibrille!) auf Kreisebene. Somit haben es die 60 SPD-Kandidaten, und auch die anderen Parteien (FDP, ÖDP, Grüne) und Gruppierungen (die echten Freien Wähler), mit ca. 100 CSUlern zu tun. Bei einem personalisierten Wahlrecht wie dem bayerischen Kommunalwahlrecht ist das echte Wettbewerbsverzerrung und in diesem Fall sogar Wählertäuschung. Ich habe nichts gegen gestandene CSUler, die zu ihrer Partei stehen. Wenn sie sich aber als Unabhängige tarnen, mit dem Ziel, der CSU und dem Landrat zu einer absoluten Mehrheit zu verhelfen, dann ist das fast schon unanständig.
In Wörth, wo SPD und Grüne gemeinsam antreten, was der Leserbriefverfasser ebenfalls anprangert, liegt der Fall anders: Dort stellen beide Gruppierungen zusammen 20 Kandidaten gegen die 20 der CSU (wozu auch NM-Kreisrat und CSU-Stadtrat Stappel gehört) und die 20 der Freien Wähler auf, und machen auch keinen Hehl aus ihrer Parteizugehörigkeit.